365 Tage Sonne

Von: Ute Mündlein | 20.10.2016

Wäre es nicht schön, wenn wir das ganze Jahr Sonne hätten? Immer blauen Himmel, warme Temperaturen?


Sicherlich, nur dann würde sich die Landschaft hier über kurz oder lang ändern. Natürlich ist der Gedanke absurd, aber ist das nicht Personal Development in Reinkultur? Immer gut drauf, immer daran arbeiten, dass wir perfekt sind?


Der Reihe nach.


Die letzten Tage waren nicht einfach. Viele Dinge laufen gerade nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Das hat viel Stress verursacht, Selbstzweifel ... Und trotz oder gerade wegen all des Grübelns, was ich an der Situation ändern könnte, tat sich nichts. Es wurde sogar schlimmer.


Heute Abend sprach ich mit jemandem über die Sache. Sie erzählte von fehlender Klarheit, von Wolken, die meinen Himmel verdüsterten, glaube ich zumindest, denn während sie sprach ging mir buchstäblich ein Licht auf, kam die Sonne hervor.


Was ich gerade erlebe, ist, wie das Wetter gerade, eine Schlechtwetterfront. Regen, dicke Wolken. Aber dahinter ist der blaue Himmel. Der blaue Himmel steht für Klarheit, Ruhe, Selbstsicherheit, Gewissheit, also all dem, was mir gerade fehlt oder was ich glaube, das nicht da ist. Aber der blaue Himmel ist immer da, egal, wie das Wetter ist. Nur manchmal sieht man ihn nicht.


Dieser Gedanke war so befreiend. Ja, es gibt manchmal tagelang nur grauen Himmel. Es regnet, so ist das Leben. Ich werde daran nichts ändern. Es geht vorüber.


Im Gegenteil, es ist gut, dass ich kein Wettermanagement betreiben kann. Dann hätten wir 365 Tage Sonne. Dann wäre ich nie schlecht drauf, alles liefe gut.


Und die Natur? Die würde sich innerhalb von kürzester Zeit massiv verändern.


Letztes Jahr, 2015, hatten wir eine massive Dürre in der Region, der Grundwasserspiegel hatte sich dramatisch gesenkt. Es hat der Natur nicht gutgetan, dass wir wochenlange Hitze hatten.


Und trotzdem: Wir betreiben in unserem Leben Wettermanagement. Wir eignen uns Techniken an, um schlechte Gedanken zu vertreiben. Wir meditieren, um ausgeglichener zu sein, wir versuchen alles, um immer gut drauf zu sein, ein guter Mensch, gut genug, perfekt. Wie viel einfacher wäre es, wenn wir einsehen könnten:


Das Wetter können wir nicht ändern, also lass uns damit leben. Der blaue Himmel kommt irgendwann wieder hervor. Alles ist gut, so wie es ist. Diese Erkenntnis hat mich umgehauen.