Wie findet man eine gute Idee?

Von: Ute Mündlein | 30.08.2016

"Suchen Sie nicht nach einer Idee [...]. Eine Idee ist nichts weiter als ein Ereignis, das jederzeit eintreten kann."

Dieses Zitat stammt aus dem Roman Die Geschichte der Baltimores. Ganz am Anfang beschreibt der Ich-Erzähler, ein Bestseller-Autor, ein Gespräch mit seinem 78-jährigen Nachbarn, Leo. Er möchte auch ein Buch schreiben, es fehlt ihm aber bislang die Idee.

"Wollten Sie hier nicht Ihren neuen Roman schreiben?" [fragt der Nachbar]

"Doch, warum?"

"Weil Sie nichts tun und mich das ärgert."

"Wie kommen Sie darauf, dass ich nichts tue?"

"Das sehe ich doch! Sie träumen die ganze Zeit vor sich hin, machen Sport oder schauen den Wolken nach. Ich bin achtundsiebzig und dürfte vielleicht so in den Tag hinein leben. Aber Sie sind gerade mal dreißig und müssten sich doch krummlegen!"

[...] "Ich setze mich auf die Terrasse und denke nach. Und das ist Arbeiten, glauben Sie mir. Sie dagegen schreiben, um Ihren Geist zu beschäftigen. Das ist etwas anderes."
[...]

"Hätten Sie nicht eine gute Romanidee für mich?"

"Ausgeschlossen."

"Warum?"

"Weil die Idee aus Ihnen selbst kommen muss."
[...]

"Suchen Sie nicht nach einer Idee, Leo. [...] Eine Idee ist nichts weiter als ein Ereignis, das jederzeit eintreten kann."


Gute Ideen sind letztlich Zufall

Dieser kurze Auszug steht im starken Kontrast zu dem, was viele glauben: Erfolg bedarf harter Arbeit.

Aber wenn man es genau nimmt: Gute Ideen sind tatsächlich letztlich nur Zufall, "ein Ereignis, das jederzeit eintreten kann."

Aus diesem Grund habe ich mir schon immer schwer getan mit irgendwelchen Kreativitätstechniken. "Machen wir mal zwei Stunden Brainstorming" war für mich immer schon ein Graus, lange bevor ich die 3 Prinzipien kannte.


Kreativitätstechniken – wozu?

Die Frage, die sich mir schon immer gestellt hat: Warum brauchen wir so etwas überhaupt?

Wir haben Ideen am laufenden Band, aber lassen sie in unserem Alltag nicht zu, weil wir meinen, wir müssten ständig etwas tun, es muss harte Arbeit sein. Und so hocken wir im Büro und beantworten fleißig E-Mails. Das fühlt sich produktiver an als Füße hochzulegen und in den Himmel zu schauen. Das gilt als Faulenzerei

Inzwischen weiß ich, dass wir letztlich daran scheitern, dass wir eine Vorstellung verinnerlicht haben, wie Arbeit auszusehen hat. Wie der kreative Prozess ablaufen muss. Ideen müssen dann kommen, wenn wir es wollen, nicht wenn die Zeit reif dafür ist.


Wir glauben, wir beeinflussen maßgeblich den Lauf unseres Lebens.

Aber was, wenn dem nicht so ist? Was, wenn Dinge passieren, auch wenn wir sie nicht planen? Wenn wir nichts dafür tun?

Diese Erkenntnis ist für Perfektionisten, wie ich es auch bin, schwer zu ertragen. In den letzten Monaten musste ich jedoch einsehen, dass das Leben viel leichter ist, wenn man einfach loslässt. Nichts forciert.

Und je weniger ich mir beispielsweise über Geld und Kunden einen Kopf gemacht habe, desto mehr Anfragen kamen. Glauben Sie mir, der Gedanke behagt mir überhaupt nicht, denn es stellt alles auf dem Kopf, von dem ich bislang überzeugt war:

Ich bin für meinen Erfolg selbst verantwortlich. Man muss nur das Richtige tun, dann stellen sich die Ergebnisse ein.

Meine Erfahrung, die ich immer und immer wieder gemacht habe – und Sie wahrscheinlich auch – ist: Je weniger man sich dem Lauf des Lebens widersetzt, sich stattdessen leiten lässt, desto einfacher wird das Leben.


Hunde finden immer nach Hause

Dazu passt eine weitere Szene aus dem Buch:

Kurz nach oben zitiertem Text taucht im Buch ein streunender Hund ohne Halsband auf. Am nächsten Tag läuft der Bestseller-Autor durch die Straßen in der Hoffnung, dass ein Passant den Hund erkennt. Erfolglos. Zuhause sagt sein Nachbar Leo, der zu dem Thema "streuender Hund" im Internet recherchiert hat: Hunde würden immer nach Hause finden.

"Manche von ihnen legen dafür Tausende von Meilen zurück."

"Und was raten Sie mir?"

"Sie sollten den Hund nicht zwingen, Ihnen zu folgen. Folgen Sie ihm. Er weiß, wohin er gehört, Sie nicht."

Und tatsächlich führt ihn der Hund nach Hause ...

Ein schöner Gedanke: Wir sollten nichts im Leben erzwingen. Der Lauf des Lebens zeigt uns den Weg. Wir Menschen können nicht wissen, wohin uns das Leben führt, dafür reicht unser Horizont nicht aus.