Wie hört sich Eingebung an?

Von: Ute Mündlein | 21.05.2017

Es klingt wie ein Ball, der perfekt von einem Baseball-Schläger getroffen wird. So beschreibt es zumindest der japanische Autor Haruki Murakami in seiner Autobiographie

Er saß in dem Moment nicht seit Stunden in meditativer Haltung. Vielmehr schaute er einem Baseball-Spiel zu. Damals besaß er noch eine Jazz-Kneipe und hatte keinerlei Ambitionen, jemals einen Roman zu schreiben, geschweige denn seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen.

In dem Moment, als der Schläger den Baseball traf „kam mir völlig zusammenhanglos der Gedanke: 'Das ist es! Ich werde einen Roman schreiben.'


Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen Augenblick. Ich hatte das Gefühl, etwas wäre langsam vom Himmel gesegelt und ich hätte es mit den Händen aufgefangen. Warum es zufällig in meinen Händen landete, weiß ich nicht.

[...] An jenem Nachmittag geriet plötzlich etwas in mein Blickfeld, das meine Perspektive völlig veränderte. In dem Moment, als Dave Hilton im Jingu-Stadion den schönen Two-Base-Hit erzielte, wurde mein Leben ein anderes."

Die Vorstellung, die viele von einem „Erweckungserlebnis“ haben, ist gänzlich anders. Aber wenn man sich die Berichte von Leuten anhört, denen dieses Erlebnis zuteil wurde, dann geschah das oft im Alltag. Entweder sie sahen etwas plötzlich komplett neu (Sydney Banks) oder sie hatten eine plötzliche Einsicht in einer Phase, als es ihnen sehr schlecht ging (Eckhard Tolle, Byron Katie).

Völlige Klarheit

Es geschah nicht beim Meditieren. Die meisten haben vermutlich auch nicht danach gesucht. So funktioniert das nicht. Und vor allem verändert einen das Erlebnis in einer Weise, die man so nicht vorhersehen konnte. Bei mir war es die Migräne, die seit einigen Jahren nicht mehr Teil meines Lebens ist. Einfach weil mir plötzlich die verrückte Idee kam: Fahr 3.000 km Rad! (siehe auch meinen Blog darüber)

Solche Erlebnisse zeichnen sich durch eine absolute Klarheit aus. Es besteht kein Zweifel daran, ob es sinnvoll ist oder nicht. Man legt, wie Murkami, einfach los.

"Als das Spiel zu Ende war, [...] ging ich in ein Schreibwarengeschäft, um mir Manuskriptpaper und einen Füller [...] zu kaufen."

Innerhalb von sechs Monaten hatte er den ersten Entwurf seines Debüt-Romans "Wenn der Wind singt" fertig. Er schrieb immer spätabends, nach einem langen Arbeitstag.

Er reichte das Werk bei einem Wettbewerb ein und bekam einen Anruf, dass er in die engere Auswahl gezogen wurde. Bei einem Spaziergang kam ihm die Erkenntnis, dass er den Preis gewinnen würde. "Und Schriftsteller werden. Und Erfolg haben. Vielleicht wirkt es unbescheiden, aber ich war fest davon überzeugt. Es hatte nichts mit Logik zu tun, es war reine Intuition."

Und die Moral von der Geschichte? Eingebungen lassen sich nicht erzwingen, egal, wie sehr du dich anstrengst. Daher der Tipp: Wenn du gerade dringend nach einer Lösung für ein Problem suchst oder nicht weißt, welche Richtung du einschlagen sollst, such nicht danach und die Lösung wird dich finden.