Veränderung/Probleme lösen – ohne dass ich etwas machen musste

Von: Sebastian Eck | 06.01.2017

Manchmal stehen wir vor Problemen, Ängsten und schwierigen Situationen und es fühlt sich an, als ob sich ganz schnell etwas verändern oder verbessern muss. Und in den meisten Fällen wird es durch das krampfhafte Versuchen und sich Hineinsteigern nicht unbedingt besser… Vielleicht geht es auch anders?

Ich hatte als Jugendlicher sehr viel Angst vor Höhe. Das hat sich besonders in einer Skifreizeit in der 7. Klasse gezeigt, bei der das Sesselliftfahren eine sehr große Überwindung für mich war. In den folgenden Jahren wurde es noch schlimmer, sodass ich jedes Mal, wenn ich an einen Abhang kam oder auf einem Turm oder ähnlichem hohen Gebäude stand die Angst bekam dort runterzufallen oder gar selbst springen zu wollen. Dieses Gefühl hat mich sehr verunsichert und dazu geführt, dass ich mich eben hineingesteigert habe und mich gefragt hab, ob ich „normal“ bin oder was mit mir nicht stimmt. Über diese Erfahrung habe ich damals mit niemandem geredet. Es war mir peinlich und ich hatte Angst was Andere über mich denken könnten. Das war 2011 während meines Freiwilligen Jahres in Rastatt, bei dem ich in einem Rathaus im 5. Stock gearbeitet habe. Interessanterweise kam die Lösung des Problems aus heiterem Himmel und ganz von alleine.

Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit und ging die Hauptstraße entlang als mich plötzlich die Fallangst überkam und ich mir vorm inneren Auge vorstellte, wie ich vom Rathaus springe. In dem Moment habe ich dann etwas erkannt… dass das Gefühl nicht von der Situation, also vom hohen Gebäude, kommt, sondern allein von meinen Gedanken, die ich gerade im Kopf habe. Und außerdem, dass diese Gedanken besonders überfordernd sind, wenn ich sie als Wahrheit ansehe und für bare Münze halte. Mit dieser Erkenntnis darüber, dass der „Sprunggedanke“ nicht wirklich Macht über mich hat, musste ich grinsen. Es war lustig für mich zu sehen, wie sehr ich die Stimmen bzw. Gedanken im Kopf zu Ernst genommen habe.

Die Gedanken zu springen kamen immer mal wieder und ich hatte auch noch öfter schlechte Gefühle dabei, aber es wurde generell immer einfacher davon loszulassen. Die Gedanken waren kein Problem mehr und traten auch viel weniger auf… selbst wenn ich mal auf einem hohen Gebäude war.

Weitere 4 Jahre später. Es ist Sommer 2015 und ich bin mit Freunden im Wanderurlaub in Österreich. In der Nähe von Zell am See gehen wir beim Ausruhetag zum Sommerrodeln. Ich sitze in einem Sessellift, neben mir der einzigartige Jan Bück. Wir quatschen und haben eine gute Zeit, genießen die Sonne und den schönen Ausblick. Wie aus dem Nichts kommt mir in den Kopf, dass ich mich ja echt gut fühle in der Höhe und die Höhenangst wie weggeblasen ist. Ich drehe mich zu Jan hin und sage etwas wie: „Du Jan, ich hab gerade was Spannendes erkannt. Ich hatte früher ziemlich Höhenangst und Sesselliftfahrten machten mir Angst. Jetzt ist das Gefühl und die Angst weg und ich kann die schöne Aussicht genießen. Komischerweise habe ich darüber ewig lange gar nicht mehr nachgedacht. Und jetzt: Einfach so weg!“. Jan grinste mich dann an und meinte, dass genau so unser Geist funktioniert und dass viele Veränderungen einfach so passieren ohne unser Zutun.


Wenn wir loslassen und nicht an Gedanken festhalten, ist Platz für Neues und neue Gedanken kommen ganz automatisch. Die Weisheit, die in jedem steckt, braucht manchmal einfach ein bisschen Ruhe und Abstand zu unseren „normalen“ Gedanken um zum Vorschein zu kommen.

Ich wünsche euch allen schöne und entspannte Einsichten aus dem Nichts :)