Was uns unsere Gefühle sagen

Von: Martin Sturm | 17.07.2016

In meiner Psychotherapieausbildung lernte ich, dass ich meinen Klienten aufmerksam zuhören sollte. Dadurch könnte ich in der Lage sein, Ihnen Ihre Gefühle zurückzuspiegeln. Wenn jemand sagte: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich machen soll“, hörte ich dahinter das Gefühl „Verwirrung“. Entsprechend antwortete ich: „Sie sind vollkommen verwirrt.“

In 60 Minuten kann eine solche Art der Rückspiegelung für den Therapeuten extrem anstrengend sein. Mir kam es manchmal so vor, als ob ich immer auf der Lauer lag, um ja nur keinen Inhalt des Gesagten oder eine Gefühlsschattierung zu verpassen. Ich jagte innerlich und äußerlich. Für den Klienten und seine Essenz blieb da leider wenig übrig.

Wenn ich heute auf der Basis der 3 Prinzipien arbeite, mache ich meinen Kopf leer. Ich weiß, dass ich dann wundervollerweise eine Menge höre, was mir entgangen wäre, wenn ich mich mit einer Methode aufhalte.

Es ist nicht wichtig, einem Menschen seine Gefühle zurückzuspiegeln. Es ist jedoch hilfreich, ihm ein Verständnis dafür zu geben, woher seine Gefühle kommen. Sieht der Klient, dass seine Emotionen immer von seinem momentanen Denken kommen, kann er sich entspannen, weil er nicht mehr analysiert, warum er gerade diesen oder jenen Gedanken, dieses oder jenes Gefühl hat.

Innere Freiheit entsteht dann, wenn wir verstehen, dass das Prinzip Gedanke alleinig dafür verantwortlich ist, welche Gefühle wir haben. Umgekehrt kann es niemals sein. Bewusstsein sorgt dafür, dass sich ein Gedanke real anfühlt. Wenn wir sehen, dass jeder Gedanke, ob gut oder schlecht, harmlos ist, entspannen wir uns.

Unsere Gefühle sind ein Barometer dafür, welche Qualität unsere Gedanken haben, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich achte auf das Grundgefühl, das ich habe, und erkenne, ob ich meinen Gedanken folgen sollte oder nicht.

Elsie Spittle schreibt in ihrem Buch „Nuggets of Wisdom“: Sieh, dass Weisheit uns immer leitet, wenn wir es erlauben, d.h. wenn es sich nicht richtig anfühlt, tu es nicht.

Unsere Gefühle sind unsere Freunde, auch und gerade in schwierigen Zeiten. Die Botschaft ist vielfältig: Zum einen zeigen uns unsere Gefühle, auf welcher Bewusstseinsebene wir uns gerade befinden. Zum anderen spricht unsere Weisheit durch sie: Wenn es sich nicht gut anfühlt, kann ich etwas anderes tun. Etwas Hoffnungsvolleres als diese Erkenntnis kann ich mir nicht vorstellen.